Borkenkäfer

Bericht: Von Sebastian Lindner

Fotos:  Von Florian Rauschmayr (September 2016)

Kupferstecher

Es ist Anfang Mai und die Sonne scheint bei angenehmen 20 Grad im Schatten. Für viele Menschen bedeutet das: Freibad, Eiscreme und Radfahren. Die Leute zieht es hinaus, die gute Laune ist ihnen dabei ins Gesicht geschrieben. Doch unter all den fröhlichen Gestalten findet sich so manch düstere Miene wieder. Wenn man diese Menschen fragt, was denn der Grund für ihre schlechte Laune sei, antworten sie unisono: „Das ist doch bestes Wetter für den Käfer!“. „Der Käfer“, ein Synonym für alles was den privaten Waldbesitzer in Angst und Schrecken versetzt. Doch warum ist dies so? Wer oder was verbirgt sich unter diesem Begriff und was gibt es beim „Käfer“ wirklich zu beachten? Der folgende Ratgeber soll Aufschluss über die Lebensweise, Vermehrung und Bekämpfung von Borkenkäfern bieten, in der Hoffnung, dass der Mythos „Käfer“ am Ende der Lektüre entschlüsselt ist!

 

Was sind Borkenkäfer eigentlich?

 

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Borkenkäfer sind Erstzersetzer von kranken und geschwächten Bäumen. Dort zeugen und ernähren sie ihre Nachkommenschaft und sorgen so für das Absterben der Bäume. Doch Borkenkäfer ist nicht gleich Borkenkäfer. Grundsätzlich unterscheidet man diese Insekten danach, in welchen Teilen des Stammes sie brühten. Der Buchdrucker (zumeist schlicht als „der Käfer“ bezeichnet) beispielsweise gehört zur Familie der Bast-brütenden Borkenkäfer. Diese Unterart legt ihre Eier unter der Rinde ab, wo sich seine Larven dann vom Bast (Verbindungsschicht zwischen Rinde und Holz) des Baumes ernähren. Andere Borkenkäferarten befallen auch das Splintholz und entwerten dies durch ihre Fraßgänge. Ein sauberes Unterscheidungsmerkmal zwischen den Familien biete dabei das Bohrmehl: Rindenbrüter produzieren braunes Bohrmehl, Holzbrüter Weißes.

 

Wer sind die natürlichen Feinde der Borkenkäfer?

Grundsätzlich gibt es eine Vielzahl an Räubern und Krankheitserregern die dem Borkenkäfer das Leben schwer machen können, doch ihre regulatorische Wirkung ist zumeist nur begrenzt. Man unterschiedet hierbei zwischen:

  • Witterung: Bei anhaltenden Minustemperaturen im Winter sterben Eier und Larven von Borkenkäfer unter der Rinde ab. Fast oder vollständig entwickelte Käfer hingegen sind davon nicht betroffen.
  • Krankheitserreger und Pilze: Sie besitzen nur eine schwache regulatorische Wirkung, da es kaum zu Übertragungen von Krankheiten zwischen den Käfern kommt.
  • Räuber: Ameisenbuntkäfer, Kurzflügler, Jagdkäfer und co. besitzen ebenfalls nur eine schwache regulatorische Wirkung. Sie können sich, im Gegensatz zu ihrer Beute, nicht in kurzer Zeit massenhaft Vermehren und folglich kaum genug Käfer fressen um die Borkenkäferpopulation zu gefährden.
  • Parasitoide: Erz- und Brackwespen legen ihre Eier in den Käfern ab. Dadurch kann eine Borkenkäferpopulation tatsächlich negativ beeinflusst werden, wobei die regulatorische Wirkung von Parasitoiden bei einer Borkenkäfer Massenvermehrung als unzureichend einzustufen ist.

 

Wie lange fliegen die Käfer und welche Bäume suchen sie sich aus?

 

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  • Befallene Fichten mit abfallender Rinde

Borkenkäfer sind, wie Insekten generell, wechselwarme Tiere und benötigen eine warme Umgebungstemperatur um handeln zu können. Ab einer längerfristig anhaltenden Tagestemperatur von 16,5° C (meist Mitte/Ende April) beginnen die ersten Borkenkäfer mit dem Schwärmflug. Diese Käfer werden auch Pioniere genannt, da sie die Erstbesiedler der kranken und geschwächten Bäume sind. Die Auswahlkriterien für den Anflug der Bäume sind dabei noch nicht vollständig erforscht. Während sich Käfer wie der Kupferstecher von Gerüchen (Duftbrüche) leiten lassen, scheint dies beim Buchdrucker nicht der Fall zu sein. Der Buchdrucker wählt seine Wirtsbäume optisch aus. Bedeutend scheinen für ihn die Oberflächenstruktur der Rinde, sowie die Infrarotstrahlung auf der Rindenoberfläche zu sein. Auffällig ist dabei, dass Süd/Südwest exponierte Waldränder am häufigsten angeflogen werden. Auch dies spricht für eine Orientierung an besonnten Zielen. Nachdem die Pioniere einen Baum befallen haben, locken sie Partner des anderen Geschlechts mittels Aggegrationspheromonen an. Ist ein Baum erst einmal vollständig befallen, produzieren die Käfer sogenannte Repellent-Terpenoide, um weitere Artgenossen am Anflug zu hindern. Durch die diese Duftstoffe werden dann auch Antagonisten, wie der Ameisenbuntkäfer oder der Jagdkäfer, angelockt. Die Käfer schwärmen bis in den Spätherbst, je nach Temperaturverlauf. Die optimale Flugtemperatur scheint bei 25° C zu liegen, wobei Temperaturen über 30° C zu einer Einstellung der Aktivität führen.

 

Wie Vermehren sich Borkenkäfer eigentlich?

 

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  • Larvenstadium des Buchdruckers

 

Nachdem die Altkäfer den Winter überstanden haben, beginnen sie ab Mitte/Ende April damit auszuschwärmen. Die magische Temperaturgrenze liegt beim Buchdrucker bei 16,5° C, ab diesem Zeitpunkt werden die Käfer aktiv.

Die Altkäfer befallen nun die ersten Bäume. Nach der Anlage einer Rammelkammer durch die Männchen, beginnen die Weibchen mit dem Fraß der Muttergänge. Daraufhin folgt die Eiablage, in dessen Anschluss sich die Altkäfer wieder ausbohren. Diese Handlung dauert 10-30 Tage, danach suchen die Käfer nach Nahrung. Durch den sogenannten „Regenerationsfraß“ stärken sich die Insekten, um danach weitere Bruten anzulegen. Diese nennt man Geschwisterbruten, da sie dieselben Mütter wie die Jungkäfer besitzen. Je nach Witterung und Futtervorrat können pro Jahr 1-3 Geschwisterbruten angelegt werden.

Die Jungkäfergeneration wächst währenddessen unter der Rinde heran. Die vollständige Entwicklung vom Ei bis zum ausgewachsenen Käfer nimmt, je nach Witterung, 6-10 Wochen Zeit in Anspruch. Folglich schwärmen dann Ende Juni/Anfang Juli die Jungkäfer aus, um ihrerseits eigene Bruten anzulegen. Auch hierbei kommt es nach Möglichkeit zu 1-3 Geschwisterbruten.

Im schlimmsten Fall legen dann sogar die Nachkommen der Jungkäfer eigene Generationen an. Sollte es auf Grund sehr warmer Witterung und fehlender Bekämpfung zu einer solchen Vermehrungsrate kommen, so spricht man von einem Massenbefall. Als grobe Kennzahl kann man dann davon ausgehen, dass durch ein Weibchen der Altkäfergeneration über 100.000 Nachkommen in die Welt gesetzt wurden.

 

Wie erkenne ich einen Borkenkäferbefall?

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  • Das typische braune Bohrmehl des Buchdruckers findet sich beim frischen Befall am Stammfuß

Die aktive Suche nach befallenen Bäumen ist das einzige Mittel um der Gefahr eines Borkenkäferbefalls Herr zu werden. Doch oft sieht man es den Bäumen nicht auf den ersten Blick an, dass sich unter ihre Rinde der gefürchtete Käfer befindet. Wer also „Käferbäume“ suchen will, muss wissen wonach er Ausschau halten soll. Dies hängt in erster Linie von der Witterung und Jahreszeit ab:

Herbst/Winter: In dieser Jahreszeit geht es darum befallene Bäume zu finden, in denen die Borkenkäfer überwintern wollen. Sichere Merkmale für den Befall eines Baumes bieten dabei Einbohrlöcher, abfallende Rinde, rötliche Verfärbung der Nadeln, sowie sogenannte Spechtspiegel. Dabei handelt es sich um kahle Stellen am Stamm an denen Spechte die Rinde entfernt haben, um an die nahrhaften Borkenkäfer zu gelangen.

Mitte/Anfang April – Anfang September: In der Hauptschwärmzeit ist das wichtigste Erkennungsmerkmal das Bohrmehl. Dieses sammelt sich am Stammfuß zwischen den Rindenschuppen oder an Spinnennetzen. Bohrmehlsuche sollte man nur bei trockener Witterung betreiben, da das Bohrmehl bei Regen abgewaschen und bei Wind verblasen wird. Windwurfflächen, vorjährige Befallsherde, Süd/Südwest Bestandesränder und Kahlflächen besitzen das größte Potential für einen Borkenkäferbefall und sollten folglich zuerst aufgesucht werden.

 

Wie kann ich den Borkenkäfer effektiv bekämpfen?

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  • konsequente Aufarbeitung des Borkenkäferbefalls ist das einzige Mittel !

Das einzige Mittel um einem Borkenkäferbefall vorzubeugen, bzw. einen bestehenden Befall zu bekämpfen, ist die saubere Waldwirtschaft!

 

Insektizide dürfen dabei nur die letzte Alternative in der Bekämpfung des Borkenkäfers sein, da Gifte immer negative Auswirkungen auf das Ökosystem Wald haben!

Vorbeugende Maßnahmen:

  • Natürliche oder künstliche Verjüngung von standortsgerechten Baumarten: Unsere Waldbäume sind sehr sensible Lebewesen und reagieren empfindlich auf den Boden in dem sie wurzeln. Soll ein Baum nun auf einem Standort wachsen der nicht seinen Anforderungen genügt, so belastet dies sein Immunsystem. Solch geschwächte Bäume sind anfälliger für Pilzkrankheiten und damit prädestiniert für einen Borkenkäferbefall. Deutlich wird dies beim Beispiel Fichte: Diese Baumart wächst natürlicherweise hauptsächlich in Gebirgslagen und hat oft Probleme mit unseren Tieflandböden. Sie verträgt weder große Trockenheit, noch ständige oder wechselnde Feuchte. Berücksichtigt man dies nicht bei der Standortswahl, so ist ein späterer Käferbefall garantiert. Der richtige Standort ist also Grundvoraussetzung für einen gesunden Wald.
  • Regelmäßige Durchforstungen: Durch die regelmäßige Entnahme von bedrängende Bäumen, kann der Restbestand stabil und gesund aufwachsen. Dabei wäre es falsch nur kranke und tote Bäume zu entfernen, viel wichtiger ist die Förderung der gesunden und vitalen Bäume. Diese Individuen sollen später einmal den Hauptbestand der Waldfläche bilden und sollten folglich so gesund wie möglich sein. Zu langer Dichtstand führt zu einer Minderentwicklung der Kronen, was wiederum zu einem geschwächten Wachstum führt. Die Bekämpfung von Krankheiten und Parasiten ist für einen Baum eine anstrengende Tätigkeit, für die er viel Energie benötigt. Diese wird durch die grüne Krone produziert, wobei hier der Grundsatz gilt: Je größer die Krone, desto mehr Energie hat der Baum zur Verfügung. Gerade in Fichtenbeständen können mangelnde Durchforstungen zu einer massiven Schwächung der Bäume, und somit zu einem Borkenkäferbefall, führen.
  • Anlegen einer ausreichende Feinerschließung: Es gibt keinen Bereich an unseren Forstbäumen der so empfindlich ist wie die Wurzeln. Das komplexe System aus Wurzelwerk und Symbiosepilzen versorgt den Baum mit Wasser und Nährstoffen und liefert somit die Ausgangsstoffe für die Photosynthese. Besonders sensibel reagieren die Wurzeln dabei auf Bodenverdichtung. Zum einen verschlechtert sich dadurch die Sauerstoffversorgung der Wurzeln, da das Wasser schlechter abfließen kann und sich im Boden staut. Zum anderen entstehen an den feinen Wurzelsträngen Quetschungen und Risse, welche die idealen Eintrittspforten für Pilzkrankheiten darstellen. So schädlich die Bodenverdichtung also ist, so schlecht lässt sie sich in der modernen Forstwirtschaft vermeiden. Harvester und Forwarder, Skidder und Forstschlepper müssen die Wälder befahren um unser Holz ernten bzw. rücken zu können. Die Lösung ist dabei so einfach, wie effizient. Durch das Anlegen von Rückegassen wird die schädliche Bodenverdichtung auf kleine, baumfreie Bereiche im Wald konzentriert und von den restlichen Bäumen fern gehalten. Denn Wurzelverletzung führen zu einer Schwächung des Baumes, was wiederum die Chance eines Borkenkäferbefalls erhöht.

Maßnahmen bei tatsächlichem Befall:

  • Entnahme der befallenen Bäume: Hat sich der Borkenkäfer erst einmal eingebohrt, so hilft nur noch die Entnahme der befallenen Bäume. Am stehenden Baum gibt es keine zugelassenen Mittel, die einen Borkenkäferbefall oder ein Ausschwärmen verhindern können!
  • Abtransport der befallenen Bäume in Rinde: Die einfachste Variante ist der Abtransport der befallenen Bäume in Rinde. Dabei gibt es zwei wichtige Zeitpunkte. Ideal wäre ein Abtransport vor dem Ausflug der Altkäfer (10-30 Tage nach Befall), doch dies ist auf Grund des kleinen Zeitfensters kaum zu schaffen. Viel wichtiger ist aber der Abtransport vor dem Ausfliegen der Jungkäfer (6-10 Wochen nach Eiablage), da dadurch ein Massenbefall verhindert werden kann.
  • Entrindung der Stämme und Belassen des Holzes im Wald: Ist ein zügiger Abtransport des Holzes aus dem Wald nicht möglich, so bietet die Entrindung eine ökologisch einwandfreie Alternative. Um eine Entwicklung der Käfer in der abgeschälten Rinde zu verhindern, sollte diese auf mindestens 0,5 m hohe Haufen geworfen werden. In diesen Rindenhaufen steigt dann die Temperatur und Pilze können in kürzester Zeit wachsen, welche die restlichen Käfer dann abtöten.
  • Poltern des Holzes 500 m außerhalb des Waldes: Hat man keine Möglichkeit sein Holz abzutransportieren oder entrinden zu lassen, so kann eine Polterung außerhalb des Waldes den Käferflug unterbinden. Diese Methode bietet jedoch keine 100 % Sicherheit, da bei Borkenkäfern auch schon Flugreichweiten von über 1km festgestellt wurden. Dies ist abhängig von Windintensität und –richtung.
  • Sammeln und Vernichten der Waldresthölzer: Nach einer Holzernte im Frühjahr/Sommer besteht die Gefahr, dass in den Waldresthölzern sich der Kupferstecher einnistet. Um eine Ausbreitung durch diesen Borkenkäfer zu verhindern, müssen diese Hölzer vernichtet/gemulcht/gehackt werden.
  • Polterspritzung mit zugelassenen Insektiziden: Sind alle oben genannten Mittel ausgeschöpft, oder nicht anwendbar, so kann es sein, dass das Spritzen der Polter als letzte Option übrig bleibt. Bei der Polterspritzung gibt es folgendes zu beachten:
  • Beim Behandeln von Poltern mit Insektiziden dürfen nur zugelassene Bekämpfungsmittel verwendet werden! Eine Liste der zugelassenen Mittel findet man auf der Seite: http://www.bvl.bund.de
  • Polter sollten immer lagenweise behandelt werden, wobei die Polterhöhe 2 m nicht überschreiten sollte.
  • Es gibt zwei Möglichkeiten der Behandlung: Prophylaktisch (vor dem Einbohren der Käfer) oder Kurativ (Nach einem Befall, vor dem Ausbohren der Käfer). In beiden Fällen fungiert das Insektizid als Kontaktgift und tötet so die Käfer ab.
  • Auf Grund der schwierigen Anbringung und der strengen Reglementierung kann die Polterspritzung keinen 100 % Schutz bieten! Sie ist daher immer als letzte Alternative anzusehen!

Unwirksame Methoden:

  • Fangbaummethode: Das Ausbringen von Fangbäumen oder –prügeln hat keinen effektiven Einfluss auf eine Borkenkäferpopulation. Gerade bei Massenvermehrungen reichen sie nicht aus um die große Anzahl an Käfern zu binden. Zudem gibt es keine Garantie dafür, dass die Fangbäume angeflogen werden.
  • Entnahme von befallenen Bäumen des Vorjahres: Bäume, die bereits im vorigen Jahr von Borkenkäfern befallen wurden und abgestorben sind, können keine neuen Käfer mehr beherbergen. In der abgestorbenen Rinde befinden sich keine Nährstoffe mehr für die Entwicklung der Borkenkäferlarven.

 

Welche Borkenkäferarten muss ich als Waldbesitzer kennen?

Im Wesentlichen gibt es für die hiesigen Waldbesitzer nur drei Borkenkäferarten, die er aktiv erkennen muss. Dabei handelt es sich um den Buchdrucker und den Kupferstecher, die gefährlichsten und häufigsten Bast brütenden Arten, sowie den gestreiften Nadelnutzholzborkenkäfer, den häufigsten Holzbrüter.

Buchdrucker (Ips typographus):

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  • bräunlicher Jungkäfer
  • Aussehen: 4-4,5 mm lang, schwärzlich, Flügeldeckenabsturz, 4 Absturzzähnchen (3. am Größten und abgerundet) pro Seite.
  • Brutbild: Rammelkammer als Zentrum, davon abgehend 2-3 Muttergänge von denen wiederum beiderseits Larvengänge abgehen, die in Puppenwiegen enden.
  • Generationen:
    • Altkäfergeneration überwintert und fliegt Mitte/Ende April Fichten an. Einbohren, Anlage der Rammelkammer und der Muttergänge, Eiablage (10 – 14, max. 30 Tage).
    • Ausflug der Altkäfer, Regenerationsfraß, Anlage von Geschwisterbruten.
    • Die erste Jungkäfergeneration entwickelt sich in 6 bis 10 Wochen, je nach Witterung (je wärmer, desto schneller die Entwicklung), danach Anflug anderer Bäume und Anlage einer Folgegeneration. Nach einem Regenerationsfraß Anlage weiterer Geschwisterbruten. Eventuell sogar Anlage weiterer Folgegenerationen.
  • Befallsmerkmale am Baum:
    • Braunes Bohrmehl am Stammfuß.
    • Spechtspiegel: etwa 2-3 cm große helle Flecken am Stamm –> Spechte schlagen einzelne Borkenschuppen ab, um die Käfer + Larven unter der Rinde zu fressen (früher Befall). In fortgeschrittenen Befallsstadien Abfallen größerer Rindenstücke durch Spechteinschläge (heller Splint sichtbar).
  • Rötung der Nadeln: Vom Kronenansatz nach oben (bei Frühjahrsbefall).
  • Abfallen der Rinde: Fortgeschrittener Befall im Hochsommer (oft noch bei grüner Krone).

 

Kupferstecher (Pityogenes chalcographus):

  • Aussehen: 1,8 – 2 mm lang, Kupferfarben glänzend, Flügeldeckenabsturz, 3 Absturzzähnchen je Seite.
  • Brutbild: Von der Rammelkammer aus 3 -6 Muttergänge, die sich sternförmig vom Zentrum entfernen –> abgehend beiderseits Larvengänge, die in Puppenwiegen enden.
  • Generationen:
    • Ausschwärmen im April, Anlage einer bis zwei Generationen (inklusive Geschwisterbruten), in heißen Jahren auch Anlage einer dritten Generation.
  • Befallsmerkmale am Baum: Rötung der Krone (von oben nach unten), feines braunes Bohrmehl, Harztröpfchen an den Einbohrlöchern.
  • Brutraum: frisches Ast- und Reisigmaterial kann dem Kupferstecher über mehrere Monate hinweg als Brutraum dienen. Astmaterial, das bei der Holzernte in Herbst/Winter anfällt ist im Frühjahr nicht mehr fängisch und kann im Wald belassen werden. Frisches Astmaterial hingegen sollte in der Schwärmzeit aus dem Wald entfernt werden –> Hacken, mulchen oder kontrolliert verbrennen (Landeswaldgesetz beachten!).

 

Gestreifter Nadelnutzholzborkenkäfer (Xyloterus lineatus):

  • Aussehen: ca. 3,5 mm lang, gelb-braune Flügeldecken, schwarz gestreift.
  • Brutbild: Ca 5 cm tiefe, geradlinige Eingangsröhren gehen ins Splintholz. Von dort aus werden Muttergänge parallel zu den Jahrringen angelegt. Davon abgehend findet man leitersprossartige Larvengänge nach oben und unten. In den Gängen werden Ambrosia-Pilze zur Ernährung/Brutpflege angelegt.
  • Generationen:
    • Generell nur Anlage einer Generation, außer die Brut stirbt durch Austrocknen der Stämme zu früh ab à Anlage einer Folgebrut.
  • Schwärmzeit: Von Februar über März/April (Hauptschwärmzeit) bis zum September/Oktober. Besonders gefährdet ist im Wald lagerndes Holz.
  • Wirtsbäume: Alle Nadelholzarten, vorzugweise Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche.
  • Befallsmerkmale: Weißer Bohrmehlauswurf, der bei Regen immer wieder abgewaschen wird.